"Dieser besaß gegen Ende des 19. bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Halle eine Maschinenfabrik, zudem war er Kunstschlosser und ein leidenschaftlicher Altertumssammler. Seine Sammelleidenschaft verführte ihn schließlich zu Fälschungen. Er entlieh von Privatsammlern, aber auch von Museen, echte Stücke, z. B. Bronzebeile, die aus der Bronzezeit datierten. Er fälschte diese, indem er in seiner Werkstatt davon Nachgüsse herstellte. Die gefälschten Stücke gab er gegenüber Museen und Sammlern als echte Stücke aus. Er verlor schließlich sein gesamtes Vermögen und starb 1913. Erst Jahrzehnte nach seinem Tode wurden die Fälschungen entdeckt." [1]
Zuvor hatte auf Sioli schon H. Otto [2] und J. Riederer [3] verwiesen:
"Ein sehr ausgedehnter Fälschungsfall wurde 1952 in Halle aufgedeckt... Otto, der sich zu dieser Zeit mit der Analyse von Serien frühgeschichtlicher Bronzen befaßte, um aus den Materialmerkmalen die Herkunft der Erze abzuleiten, erhielt in Halle Tüllenbeile zur Analyse vorgelegt, von denen er schon eine Reihe identischer Stücke aus den Museen in Leipzig und Jena kannte. Es gelang ihm, zu sechs identischen und offensichtlich aus einer Form gegossenen Beilen vom Lausitzer Typ im Museum von Zeitz das Beil aufzuspüren, von dem die Abgüsse hergestellt worden waren. Durch den Vergleich des möglichen Originals mit den übrigen Stücken wurde rasch deutlich, daß es sich nicht um eine Serie von Beilen handelte, die schon in der Bronzezeit aus einer Form gegossen wurden, sondern um das Original aus Zeitz und sechs Fälschungen aus jüngerer Zeit. Als Beweis führt Otto an, daß bei den Kopien Oberflächenmerkmale abgegossen wurden, die auf dem Original durch den Gebrauch oder die Alterung entstanden waren. Unter anderem wurde auch ein Riß im originalen Beil mit abgegossen. Die Patina erwies sich als künstlich aufgebracht. Außerdem wurden auf den sechs Kopien gleichartige Beschädigungen der Oberfläche erkannt, die künstlich hervorgerufen worden waren. Der endgültige Beweis, daß Fälschungen vorlagen, brachte die chemische Analyse, da das Original aus Zeitz aus einer Bronze gegossen ist, die in allen Elementen mit der Zusammensetzung vergleichbarer Objekte gesicherter Herkunft übereinstimmt, während die Fälschungen aus einer zinkhaltigen Legierung hergestellt waren, die es zur Bronzezeit noch nicht gab. Nachdem die füllenbeile als Fälschungen erkannt waren, suchte man nach weiteren Fälschungen dieser Gruppe und tatsächlich fanden sich in verschiedenen Museen auch insgesamt sechs böhmische Absatzbeile, sechs schmale Randleistenbeile, 11 Randleistenbeile vom Typ Bennewitz, fünf Stabdolchklingen, sowie Sicheln, Armringe, Speerspitzen und eine Reihe weiterer Stücke, die sich aufgrund der Metallanalyse und der übrigen Merkmale einer 'Werkstatt zuweisen ließen. Aus den Daten, nach denen diese Objekte in die verschiedenen Museen gelangten, ließ sich ermitteln, daß die Fälschungen von dem Kunstschlosser K. Sioli aus Halle bereits im 19. Jahrhundert hergestellt worden waren. Sioli hatte seine Fälschungen an Privatsammler verkauft und über diese gelangten sie im Laufe der Zeit in die öffentlichen Sammlungen, wo sie mehr als 50 Jahre lang unentdeckr blieben. Im 20. Jahrhundert sind Fälschungen bronzezeitlicher Objekte aus Kupferlegierungen kaum mehr bekannt geworden, da sie von Sammlern nicht mehr beachtet wurden." [3]
Anmerkungen:
[1] Czichos, Horst: Was ist falsch am falschen Rembrandt? und Wie hart ist Damaszener Stahl? Wie man mit Technik Kunst erforscht, prüft und erhält. München 2002, S. 175f
[3] Josef Riederer: Echt und falsch. Schätze der Vergangenheit im Museumslabor. Berlin/Heidelberg 1994, S. 265f
[2] Otto, H.: Die chemische Untersuchung von gefälschten Bronzen aus mitteldeutschen Museen. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Gesch.SprachwVII/1, S. 203ff