Thursday, 30. August 2012

Wegen Sanierungsarbeiten wird das Altonaer Museum von Anfang Januar bis Ende April 2013 eine viermonatige Umbau-Pause einlegen. Die Baumaßnahmen betreffen vor allem den baulichen Brandschutz wie beispielsweise die Erneuerung der Brandmeldetechnik sowie den Austausch und die Ertüchtigung von Brandschutztüren. Darüber hinaus stehen die energetische Sanierung von Flachdächern und der Austausch veralteter Fenster auf dem Programm. Nach Fertigstellung wird sich das Altonaer Museum mit sicherheitstechnischen Anlagen präsentieren, die wieder demheutigen Stand der Technik entsprechen.
Die Durchführung der Bauarbeiten innerhalb von nur vier Monaten bietet finanzielle Vorteile, nimmt aber insbesondere Rücksicht auf die Besucherinnen und Besucher. Bei laufendem Ausstellungsbetrieb würde sich die Maßnahme etwa zwei Jahre lang hinziehen. Dies wäre mit erheblichen Einschränkungen verbunden, da große Teile des Hauses nahezu 24 Monate lang nicht zugänglich wären.
Bauherr ist die HGV (Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH). Die Projektsteuerung liegt bei der IMPF (Hamburgische Immobilien Management Gesellschaft mbH). Mit der Investition von 1,4 Millionen Euro in die sicherheitstechnischen Anlagen wird langfristig für das Altonaer Museum eine solide bauliche Basis für eine zukunftsfähige Museumsarbeit geschaffen.
Dr. Klaus Gier, Tel. 040 428135 2963, klaus.gier@altonaermuseum.de
Matthias Seeberg, Tel. 040 428135 2678, matthias.seeberg@altonaermuseum.de
Wednesday, 29. August 2012
Industrielles Erbe 2012: Freiwillige und Vereine aus verschiedenen Ländern treffen sich in LONDON, 26.-28.10.2012
Call-for-Papers
E-FAITH, the European Federation of Associations of Industrial and Technical Heritage (der Europäische Verband der Vereine zum Erhalt des industriellen und technischen Erbes) ist die europäische Plattform für Zusammenarbeit und Austausch, wo Freiwillige und Vereine sich treffen, voneinander lernen und einander unterstützen können.
In allen Ländern Europas gründen sich die Erforschung, der Erhalt und die Erschließung von industriellem und technischem Erbe hauptsächlich auf den Einsatz unzähliger Freiwilliger und nichtstaatlicher Organisationen.
Ohne ihr Engagement wären viele industrie-archäologisch bedeutsame Denkmäler, Gegenstände und Dokumente, Zeugen von der Geburt und vom Wachstum der Industriegesellschaft für immer verloren gegangen.
Ihr uneigennütziges und unentgeltliches Engagement wird jedoch von Behörden und Instituten noch manchmal unterbewertet.
Nach vorhergehenden erfolgreichen Treffen in Beringen (B), Kortrijk (B), Barcelona (E) , Calais (F) und Tilburg (NL), mit Teilnehmern aus 12 verschiedenen Ländern, organisiert E-FAITH am Wochenende des 26. bis 28 Oktober 2012 ein 6. Europäisches Wochenende zum Erhalt des industriellen und technischen Erbes, an dem Freiwillige und Vereine aus verschiedenen europäischen Ländern neue internationale Kontakte knüpfen können.
Es wird abermals ein offenes Treffen sein, bei dem Gruppen und Personen ihre Ideen, Arbeiten und Projekte präsentieren und vergleichen können. Dies geschieht mittels Prospekten, Informationsständen, kleinen Ausstellungen, kurzen Vorlesungen oder Präsentationen
Der Austausch von Ideen ist der wesentliche Inhalt von diesen Wochenenden zum Erhalt des industriellen und technischen Erbes, welche von dem Europäischen Verband der Vereine zum Erhalt des industriellen und technischen Erbes (E-FAITH) durchgeführt werden.
Das Wochenende im Oktober wird in London abgehalten und wird Freiwilligen und den Vereinen die ausgezeichnete Möglichkeit bieten, ihr Restaurationsprojekt, sei es noch in Arbeit oder bereits beendet, gleich gesinnten Freiwilligen aus ganz Europa zu präsentieren.
Die Hauptthemen der Sitzung sind die Herausforderungen, denen sich Orte des industriellen Erbes und die Vereine gegenüberstehen.
Während des Treffens wird die besondere Aufmerksamkeit gewidmet sein
· der Förderung von internationalen Freiwilligen- Kooperationen zum Erhalt des technischen und industriellen Erbes.
· Dem Austausch von Ideen bezüglich Restaurierung, Auftreiben von Kapital und Einnahmen, Marketing, technischem Know-how, Training, Sicherheit und anderen Aspekten von erfolgreich laufenden Projekten
· Präsentationen von Freiwilligen und Vereinen über bestehende Projekte und Projekte in Arbeit
Es werden auch Diskussionen fortgeführt, die während der vergangenen Treffen begonnen wurden:· Das Europäische Jahr (2015) des Industriellen und Technischen Erbes,
· Die Erhaltung alter Fabrikschornsteine
· Partnerschaften zwischen Vereinen
· Europäische grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Vereinen zum Erhalt des Industriellen und Technisches Erbes
· Möglichkeiten und Ideen für gemeinsame europäische Projekte und europäische Netzwerke und Organisation der Solidarität zwischen den Vereinen
Das Wochenende beginnt am Freitagnachmittag, 26. Oktober, mit einer geführten Tour im Bereich Three Mills im East End von London, mit der Möglichkeit, Mills House kennen zu lernen- von dem es heißt, dass es die größte Gezeiten-Mühle der Welt ist, die von den 1770 Jahren an bis 1940 betrieben wurde- sowie die Abbey Mills Pumpenstation.
Samstag, 27 Oktober wird den Präsentationen, dem Austausch von Ideen und Diskussionen gewidmet sein, gefolgt am frühen Abend von einem Besuch des Kirkaldy Testing Museums in Southwark. Die Präsentationen erfolgen in der Vortragshalle von Toynbee Hall in Whitechapel, von hervorragendem Interesse als dem Ort, an dem Marconi zuerst die drahtlose Kommunikation in Großbritannien vorführte.
Am Sonntagmorgen, dem 28. Oktober wird der Schwerpunkt auf dem Thema Freiwilligkeit liegen sowie den Herausforderungen, denen Museen auf freiwilliger Basis und deren Mitarbeiter ausgesetzt sind, insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Regulierung und sicherheitstechnischen Anforderungen. Der Vormittag wird enden mit einem Besuch im Kew Engines Museum, wenn die riesigen Cornish Enginges unter Dampf stehen.
Weitere Informationen und Anmeldung unter www.e-faith.org oder http://www.e-faith.org/home/?q=content/european-industrial-and-technical-heritage-weekends )
2012@e-faith.org
Fax +32.56.255173
secretariat @ e-faith.org
http://www.e-faith.org
p/a Vredelaan 72, B-8500 Kortrijk
Wednesday, 29. August 2012
Die Käfersammlung Frey hat eine spannende, kurvenreiche Reise hinter sich. Seit 15 Jahren beherbegt das Naturhistorische Museum Basel diese rund zwei Millionen Käfer aus der ganzen Welt, insbesondere aus Afrika und Südamerika. Der Verein «Käfer für Basel» setzt sich seit 25 Jahren dafür ein, dass die Sammlung sorgfältig verwaltet, wissenschaftlich aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Im September feiert der Verein sein 25-jähriges Bestehen.
In rund 7000 Kästen werden die Käfer aus der Käfersammlung Frey aufbewahrt: Blattkäfer, Blatthornkäfer, Schwarzkäfer, Bockkäfer, Rüsselkäfer, Laufkäfer oder Prachtkäfer. Als das Naturhistorische Museum Basel die Käfersammlung übernahm, wusste man nicht, wieviele Käfer im Museum eine neue Heimat gefunden hatten, geschweige denn, wieviele Arten die Sammlung genau enthält. Von Anfang an war es deshalb klar: Die Sammlung musste vollständig erfasst und die Informationen darüber in einer Datenbank abgelegt werden und jederzeit abrufbar sein.
Das Museumsteam alleine konnte die zeitintensive Inventarisierung der umfangreichen Sammlung nicht bewältigen. Zahlreiche Projektmitarbeitende unterstützten die Konservatoren und Sammlungsverwalter deshalb in ihrer Arbeit, einen Überblick über die Käfersammlung Frey zu erhalten. Es wurden nicht nur Arten, sondern auch Unterarten und Variationen aufgenommen. Nach elf Jahren konnte die Inventarisierung 2009 abgeschlossen werden.
Dieser zeitintensiven Auseinandersetzung mit den Käfern geht eine ähnlich lange Zeit zäher Verhandlungen und etlicher Rechtsstreitigkeiten voraus. Denn dass die umfangreiche Sammlung zu guter Letzt nicht in der Zoologischen Staatssammlung in München, sondern im Naturhistorischen Museum Basel gelandet ist, ist das Verdienst des Vereins «Käfer für Basel» und ganz besonders dasjenige Michel Brancuccis. Brancucci hatte sich mit einem Aufruf an die Medien für die Sache der Käfer vor 25 Jahren Gehör verschafft und damit eine Sympathiewelle für die Käfersammlung Frey ausgelöst, die bis heute anhält.
Die Jubiläumsfeier findet am Freitag, 7. September, 17.30 Uhr, in der Aula des Naturhistorischen Museums statt. Höhepunkt des Anlasses ist der Auftritt des Schweizer Käferfilmers Urs Wyss. Er kommentiert live seine neuesten Dokumentarfilme und zeigt erstmals, wie hart Haselnussbohrer arbeiten müssen.
Yvonne Barmettler
Abb.: Käfersammlung Frey im Basler Naturhistorischen Museum. Foto: Daniel und Geo Fuchs
Friday, 24. August 2012
Besucherrückgänge, Erlösausfälle, Sicherheitslöcher
Das neue Akropolis-Museum, erst vor drei Jahren eröffnet, hat Probleme: Das Geld für das Museum unter dem Museum (3,7 Mio €), das bereits eingeplant war, war nach Maßgabe des Staates in griechischen Papieren angelegt worden, durch den Schuldenschnitt aber auf 700.000 € abgewertet worden.
Die Zahl der Besucher sinkt indess rapide: 2010 waren es noch 1,3 Mio. Besucher, 2011 aber nurmehr 1,15 Mio. Und die kritische Grenze sind 1 Mio. Besucher...
Andernorten sanken die Besucherzahlen noch dramatischer, so bei den archäologischen Museen und Ausgrabungsstätten um fast ein Drittel im ersten Vierteljahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr.
Auch die verpachteten Cafés und der Museumsshop des Akropolis-Museums leidet unter den Rückgängen. Dies wiederum hat zur Folge, daß es Lücken bei der Bewachung gibt. Über zwei Fälle von Diebstählen aus griechischen Museen hatten wir bereits in MUSEUM AKTUELL und ExpoTime! berichtet. Offenkundig bei der Analyse dieser Fälle wurde allerdings auch, daß die Sicherheitslücken auch durch örtliche Schlamperei entstanden waren (unbrauchbare Batterien und veraltete Videobänder). Zuvor erlebte Griechenland einen wahren Museumsboom, bei dem niemand darüber nachdachte, was passieren könnte, wenn das Geld für Erhaltung einmal nicht mehr vorhanden ist: Zuletzt waren es 106 archäologische und byzantinische Museen - und es waren noch mehr geplant. Ein Viertel bis ein Drittel aller griechischen Museen sind bereits derzeit nur noch gelegentlich oder teilweise bis gar nicht mehr geöffnet.
Plündere, wer kann!
Illegale Grabungen werden hingegen zu einer Art Volkssport, vor allem in der Nähe bekannter archäologischer Stätten, so etwa auf dem Berg Paggaio bei Kavala.
Verarmung der griechischen Museumsfachwelt
200 erfahrene Archäologen und Kunsthistoriker wurden in den Ruhestand geschickt, den verbliebenen drastisch die Gehälter gekürzt - auf etwa 1000-1500 €. Sie leben wie Clochards - so die Professorin Kaiti Chatzi aus Komitini. Der gut ausgebildete wissenschaftliche Nachwuchs wandert ins Ausland ab. (1)
(1) Christiane Schlötzer: Ein Fressen für die Geier. "Lassen wir unsere antiken Schätze doch gleich im Boden": Wie sich die Sparmaßnahmen auf die Museen und auf die Archäologie auswirken. In: Süddeutsche Zeitung v. 4./5.8.2012
Friday, 24. August 2012
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) kann die Kolonnade am Neuen Palais in Sanssouci mit Mitteln aus dem Sonderinvestitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten umfassend sanieren. Friedrich der Große hatte diesen größten Natursteinbau im Park Sanssouci neben dem Neuen Palais und den Communs 1763 bis 1769 errichten lassen.
Erstmals seit 2005 präsentieren sich das Triumphtor sowie die beiden Pavillonbauten der Kolonnade wieder mit ihren Bekrönungen. Im Frühjahr 2013 wird das gesamte Gebäude komplett frei von Gerüsten sein. Am Freitag, dem 31. August 2012, um 11 Uhr gibt die SPSG an der Kolonnade ein Fest für die Bauarbeiter, um sich für deren Leistungen zu bedanken.
Die Arbeiten werden finanziert aus dem Sonderinvestitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten (Masterplan), welches der Bund (Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) sowie die Länder Berlin (Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten) und Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) mit insgesamt 155 Mio. Euro ausgestattet haben.
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Elvira Kühn
Friday, 24. August 2012

Wem gehört die Geschichte? Zum Wandel politischer Grenzen und museologischer Zuständigkeiten
Tagung in Kooperation mit der Abteilung Archäologie & Münzkabinett am Universalmuseum Joanneum im Rahmen des EU-Projekts InterArch-Steiermark
Anmeldung erforderlich! Museumsakademie Joanneum, Mariahilferstrasse 2-4, 8020 Graz T +43(0)316/8017-9805, F -9808, museumsakademie@museum-joanneum.at
Die gemeinsame Geschichte Südösterreichs und Sloweniens in der Habsburger-Monarchie hat dazu geführt, dass sich Tausende archäologische Objekte und Archivalien aus dem Gebiet des heutigen Slowenien in österreichischen Museen und Archiven befinden. In einem EU-Projekt wird dieses Material bis 2014 zugänglich gemacht, der museologischen Dimension der Thematik wollen wir in einer öffentlichen Tagung nachgehen: Was bedeuten wechselnde politische Grenzziehungen für den museumspraktischen Umgang mit historischen Überresten? Was, wenn diese Bedeutung für die Identität bestimmter Gruppen oder die Bevölkerung einer Region erlangen, sie sich aber in Institutionen anderer Staaten befinden? Wo gibt es diesbezüglich vielleicht schon konstruktive Diskussionen? Welche praktischen Lösungen kennen theoretische Debatten? Und was taugt der Begriff des Europäischen Kulturerbes in diesem Zusammenhang?
Referenten:
Elisabeth Arlt Leiterin Pavelhaus (A)
Christoph Bazil Leiter der Abteilung für Restitutionsangelegenheiten des BMUKK Wien (A)
Stephan Günzel Professor für Medientheorie, Berliner Technische Kunsthochschule (D)
Bettina Habsburg-Lothringen Leiterin Museumsakademie Joanneum, Graz (A)
Mateja Kos Koklic Kuratorin, Department of History and Applied Art, National Museum of Slovenia, Ljubljana (SLO)
Branko Lenart Fotograf, Graz (A)
Gregor H. Lersch Leiter Projektteam Martin-Gropius-Bau, Berlin (D)
Markus Moehring Leiter Dreiländermuseum Lörrach (D)
Wolfgang Muchitsch Direktor des Universalmuseum Joanneum, Graz (A)
Karl Peitler Leiter der Abteilung Archäologie und Münzkabinett, Universalmuseum Joanneum, Graz (A)
Kerstin Poehls Wiss. Mitarbeiterin, Institut für europäische Ethnologie, Humboldt-Universität zu Berlin (D)
Barbara Porod Sammlungskuratorin, Archäologiemuseum am UMJ Graz (A)
Ljiljana Radonic Wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaften, Universität Wien (A)
Tomislav Sola Professor für Museologie, Universität Zagreb (CRO)
Verena Vidrih Perko Kuratorin, Department Archäologie, Gorenjski Muzej, Kranj (SLO) (angefragt)
Nikolai Vukov Wiss. Mitarbeiter, Institute of Ethnology and Folklore Studies, Bulgarian Academy of Sciences, Sofia (BUL)
Regina Wonisch Museologin, Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Wien (A)
Theresa Zifko Wiss. Mitarbeiterin, Museumsakademie Joanneum, Graz (A)
Ort: Maribor (SLO)
Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos.
Foto: Altsteinzeitliche Steingeräte und Knochenfragmente aus der Repolusthöhle im Badlgraben bei Peggau, Foto: UMJ
Friday, 24. August 2012
Rätselhafte Stütze des Imperiums
Bundesminister Dirk Niebel wäre es fast zum Verhängnis geworden, als er im Mai dieses Jahres über einen Teppich stolperte, den er als Souvenir von einer Dienstreise aus Afghanistan mitbrachte: das Zollwesen. Dabei ist es kein Geheimnis, dass man für sehr viele Güter eine Abgabe bezahlen muss, wenn man sie über eine Territoriumsgrenze transportiert. Bereits die alten Römer betrieben ein ausgefeiltes Zollwesen, das einen beträchtlichen Posten im Staatshaushalt des Imperium Romanum ausmachte. Doch wie genau das römische Zollwesen funktionierte, darüber sind die Forscher in vielen Fragen uneins.
Die Altertumswissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena wollen dem Thema nun genauer nachgehen. Während der Tagung „Das Zollwesen des Imperium Romanum" vom 13. bis 15. September 2012 bringen sie dafür Experten aus dem In- und Ausland an einen Tisch.
„Zwar wird in Deutschland kaum zum römischen Zollwesen geforscht, in Italien und Frankreich etwa sieht das aber ganz anders aus", sagt Dr. Peter Kritzinger vom Institut für Altertumswissenschaften der Universität Jena. „Obwohl es keine explizite Zollforschung gibt, nimmt das Thema in vielen verschiedenen Bereichen der Altertumswissenschaften eine große Rolle ein." Die Abwicklung der Zollvorgänge sei für Wirtschafts- und Sozialforscher genauso interessant wie für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit dem römischen Recht, der Administration oder Verfassung des Reichs beschäftigen.
Wie und wo wurden Waren verzollt? Wurde die Abgabe nach Gewicht oder nach Anzahl berechnet? Gab es ein reichsweites Zollgesetz oder regionale Unterschiede? Das sind nur einige Fragen, denen die Experten – nicht nur – während der Tagung auf den Grund gehen wollen. Soviel ist immerhin klar: Verzollt wurde prinzipiell alles, was nicht zum eigenen Bedarf benötigt wurde. Umstritten ist hingegen, ob Rom durch Zölle die Warenströme zu regulieren versuchte oder nur das Geld einnehmen wollte. Ebenso ist bisher unklar, in welche der verschiedenen Staatskassen die Einnahmen aus dem Zoll flossen.
An dieser Forschungssituation dürfte vor allem die Quellensituation verantwortlich sein. Denn kein antiker Autor hat dem Zollwesen besondere Aufmerksamkeit geschenkt, so dass die Informationen aus verstreuten und ganz unterschiedlichen Quellengattungen – etwa aus Papyri, Inschriften, Siegeln oder archäologischen Befunden – gesammelt werden müssen. Mit den verschiedenen Quellengattungen beschäftigen sich jeweils Experten, die jedoch nicht im ständigen Austausch stehen. Zu diesem Zweck nun haben die Althistoriker verschiedene Spezialisten unterschiedlicher Disziplinen nach Jena eingeladen.
Während der für alle Interessierte offenen Tagung, die im Senatssaal des Jenaer Universitätshauptgebäudes (Fürstengraben 1) stattfinden wird, sprechen unter anderem der Historiker Prof. Jêrome France aus Bordeaux, der Epigraphiker Prof. Karlheinz Dietz aus Würzburg oder der Papyrologe Prof. Michel Cottier aus Toronto. Es kommen aber auch Nachwuchswissenschaftler zu Wort, wie der Archäologe Sebastian Matz oder der Rechtshistoriker Frank Schleicher (beide Jena).
Besonders empfiehlt Peter Kritzinger den Abendvortrag zur Eröffnung der Tagung, die von der Gerda Henkel Stiftung und der Freundesgesellschaft der Universität Jena gefördert wird, am 13. September ab 18 Uhr: „Prof. Dr. Rudolf Haensch von der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik München ist dafür bekannt, dass er Interessantes und oftmals Überraschendes unterhaltsam vermittelt."
Dr. Peter Kritzinger
Institut für Altertumswissenschaften der Universität Jena
Fürstengraben 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944813
peter.kritzinger@uni-jena.de
Foto: Die Althistoriker Frank Schleicher (r.) und Dr. Peter Kritzinger organisieren die Tagung zum römischen Zollwesen, die vom 13. bis 15. September 2012 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena stattfinden wird- Foto: Jan-Peter Kasper/FSU
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Axel Burchardt M.A.
Tuesday, 21. August 2012

Anfang 2012 erschien die Verlustdokumentation der Gemäldesammlung der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, in der die bedauerlicherweise recht großen Verluste der Gothaer Gemäldesammlung vor allem in der Nachkriegszeit aufgelistet werden. Ziel der Publikation ist es nicht zuletzt, den Kunsthandel für die herausragenden Kunstwerke aus Gotha zu sensibilisieren. Der Band enthält alle bisher bekannten Abgänge aus der Gemäldesammlung seit Ende des 19. Jahrhunderts und ist zugleich ein wichtiger Beitrag bei der Erschließung ihrer Geschichte.
Noch während der Drucklegung wurde bekannt, dass in einer Auktion in Stockholm ein Bild aus den Gothaer Sammlungen zur Versteigerung kommen sollte. Es handelt sich um das 41 x 31 cm große Bild „Brustbild eines Orientalen in Pelz und buntem Kopftuch“ von Johann Christian Sperling (1691-1746), das noch 1943 im Bestandskatalog geführt wurde. Auf unbekannten Wegen gelangte es schließlich in schwedischen Privatbesitz. Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha nahm mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes Kontakt mit dem Auktionshaus auf, das wiederum einen Kontakt zu den Besitzern herstellte, die das Bild rechtmäßig auf dem Kunstmarkt erworben hatten. Nach längeren Verhandlungen mit der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, in denen die besonderen Provenienz-Umstände eine Rolle spielten, erklärten sich die Besitzer bereit, das Gemälde nach Gotha zurückzugeben. Der Freundeskreis des Schlossmuseums Gotha brachte die Kosten für Transport und Versicherung auf.
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Dr. Roland Krischke
Tuesday, 21. August 2012
Eröffnung: 31. August 2012, 19 Uhr
Am 31. August eröffnet das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg seine hochkarätigen Sammlungen Antike und Renaissance in einer völlig neuen Präsentation. Über 900 Kunstwerke sind endlich wieder für Besucher zugänglich. Die Renaissance-Sammlung ist nach langjährigen Sanierungsarbeiten seit dem Frühjahr 2006 vollständig geschlossen, die Sammlung Antike war in den letzten zwei Jahren nur noch teilweise zu sehen. Nach der Sammlung Moderne ist dies die zweite große Neueröffnung in diesem Jahr, an dessen Ende das ganze Museum wieder vollständig geöffnet sein wird.
In Zusammenarbeit mit dem vielfach preisgekrönten neo.studio neumann schneider Architekten entsteht im Erdgeschoss des Hauses ein spannender Ausstellungsrundgang, der die Exponate ins Rampenlicht rückt, sie in neue Nachbarschaften stellt und zentrale Inhalte in der Ausstellungsarchitektur aufgreift, um sie den Besuchern durch eigenes Erleben nachvollziehbar zu machen. Eindrucksvolle Raumbilder, ausgesuchte Farbwelten und eine besondere Lichtdramaturgie lenken den Blick auf die zentralen Themen, die die Menschen in der Antike und der Renaissance besonders beschäftigten und bis heute faszinieren. Die Sammlung Antike erzählt von Ägypten, von koptischen Textilien, von Mythos und Wahrheit von Homers Helden, vom Zeitalter der Tyrannis, von der Entwicklung einer kollektiven Identität, vom rätselhaften Volk der Etrusker und vom römischen Imperium. Neben der kulturräumlichen und chronologischen Ordnung beleuchtet die neue Dauerausstellung auch kulturanthropologische Fragen und stellt Verbindungen zu anderen Kulturen und Epochen in der Sammlung des MKG her. So wird die Renaissance in unmittelbarer Nachbarschaft zur Antike wiedereröffnet, da die Beschäftigung mit der Ästhetik und den Werten der Antike in dieser als Wiedergeburt der Antike bezeichneten Epoche einen hohen Stellenwert einnahm und dies an zahlreichen Kunstwerken ablesbar ist. Mit Raumthemen wie „Götter, Mythen und Grotesken“, „Die neue Welt“, „Die Kunstkammer – Gesammelte Weltwunder“, „Das Menschenbild“ und „Blühende Städte“ erzählt die neue Dauerausstellung die wesentlichen Merkmale der Kunst- und Kulturgeschichte der Renaissance und ihre Bezüge zur Antike.
Sammlung Antike
Die Sammlung Antike des MKG umfasst Kunstwerke aus dem Alten Orient, aus Ägypten sowie der Griechen, Etrusker und Römer. Diese erlauben einen tiefen Einblick in künstlerische und kunsthandwerkliche Entwicklungen, Ideen und Schöpfungskraft des Menschen, zeugen vom Alltag, Sitten und Gebräuchen, religiösen Vorstellungen und vor allem auch von wechselseitigem kulturellen Austausch über mehr als vier Jahrtausende. Gleichzeitig beeinflusste die klassische Antike, aber auch die Entdeckungen der Orient- und Ägyptenexpeditionen die europäische Kunst nachhaltig bis heute. Mit der Neukonzeption und -gestaltung der Sammlung wird dem allgemeinen Interesse am Altertum sowie den veränderten Ansprüchen und Fragen heutiger Zeit Rechnung getragen. Im Südflügel des Erdgeschosses werden über 800 antike Werke aus verschiedensten Materialien, u. a. Ton, Bronze, Silber, Gold, Elfenbein, Marmor, auf ungefähr 400 Quadratmetern ihren Platz finden. Die Sammlung Antike bildet fortan den Beginn des Rundgangs durch die Bestände des MKG und weist gezielt durch ihre enge räumliche, aber vor allem auch inhaltliche Verknüpfung mit der Sammlung Renaissance auf die Bedeutung der Antike für die Entwicklung unserer heutigen Kultur und Kunst hin. Die Neukonzeption wendet sich mit der Verbindung verschiedenster Vermittlungsaspekte an Jung und Alt. Schon seit Jahrzehnten wird die Sammlung Antike von zahlreichen Schulklassen besucht, die nicht nur durch das sachliche Betrachten der Objekte, sondern durch eigenes Erleben die Faszination der Antike sowie ihre Ausstrahlung in unsere Geschichte und Kultur kennenlernen. Diesem Umstand sollen vor allem die Raumbilder eine stärkere Rechnung tragen. Neben dem Kennenlernen der Antike steht das Fragen nach der eigenen Identität und Herkunft. Ebenso werden Fragestellungen wie Fälschung, Kopie oder Restaurierung aufgegriffen.
Die Neukonzeption der Antike basiert auf drei miteinander kombinierten Elementen: Als zentrale Ordnungskriterien sind die Unterscheidungen der Kulturräume Ägypten, Alter Orient, Welt der Griechen, Etrusker und Römer sowie eine chronologische Gliederung zugrunde gelegt. Diese ermöglichen dem Besucher eine einfache Orientierung. Erweitert wird diese Zusammenstellung durch die Einbindung thematischer Schwerpunkte und kulturanthropologischer Fragestellungen. Diese spiegeln zum einen allgemeine Themen antiker Lebenswelten, z. B. den Alltag (Bekleidung, Rolle der Frau), Religion und Ritual in Heiligtümern, Vorstellungswelten, die durch Mythen und Sagen überliefert sind, und die Grabkultur wieder. Sie werden ergänzt durch Themen wie z. B. den griechischen Agon (ein beständiger Wettstreit der einzelnen Stadtstaaten [Poleis] und Herrscher, aber auch der Bürger im öffentlichen und privaten Bereich), die Verbindung
von Krieg und Sport in Griechenland, Handel als Medium des kulturellen Austausches oder auch das Trinkgelage (Symposion), bei dem sich politische und philosophische Diskussionen wie etwa die Dialoge Platons entwickelten. Im Vorderen Orient wird nach der Bedeutung von Schrift und Schriftsystemen gefragt, die zunächst zur Verwaltung und Fixierung von Rechten entstanden und erst später zum Medium der Literatur wurden. Ägypten bietet in den Jahrhunderten vor und nach der Zeitenwende die Möglichkeit, das Zusammenleben verschiedener Kulturen – Ägypter, Griechen, Juden, Römer u. a. – und die sich daraus entwickelnden gemeinsamen Vorstellungen zu studieren. Die thematischen Schwerpunkte sollen einerseits einzelne Aspekte antiken Lebens aufzeigen und erklären, andererseits aber auch zu Fragen anregen, die den Besucher bei seinem Rundgang durch die anderen Sammlungen begleiten und Bögen über Zeiten und Räume schlagen. Des Weiteren werden gezielt Objekte anderer Epochen in die Gestaltung einbezogen; zunächst als Fremdkörper wirkend sollen sie die Neugier des Betrachters wecken. Bei ihrer Betrachtung ergibt sich schnell eine Verbindung zur Antike, sei es ikonografisch, handwerklich oder ideengeschichtlich. Unterstützt wird diese Konzeption durch lebendige, faszinierende und moderne Raumbilder. Im Zentrum stehen die Objekte und Objektgruppen, deren Kontext, Aussage und Wirkung neben erläuternden Grafiken und Karten vor allem durch eine neuartige Ausstellungsarchitektur unterstützt und hervorgehoben werden.
Die Renaissance als Wiedergeburt der Antike in der Frühen Neuzeit
Die Renaissance-Sammlung des MKG umfasst Meisterwerke von internationalem Rang. Nur wenige der Exponate waren für den alltäglichen Gebrauch bestimmt. Die meisten Objekte wurden vielmehr als geschätzte Kostbarkeiten in den höfischen und bürgerlichen Kunstkammern Europas gesammelt. Die neue Präsentation der Renaissance ist gegliedert in fünf Themen-Räume auf insgesamt 220 Quadratmetern, die die humanistische Idee und den Zeitgeist dieser Epoche erfahrbar werden lassen. In direkter Gegenüberstellung von italienischen und nordalpinen Werken der Renaissance und teilweise auch des Manierismus bzw. des deutschen Frühbarock werden der Kulturtransfer, wechselseitige künstlerische Impulse und stilistische Einflüsse deutlich. Im 15. und 16. Jahrhundert prägen Wertevorstellungen und kulturelle
Errungenschaften der Antike den Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit. Der Mensch befreit sich von der übermächtigen Religiosität des Mittelalters und zeigt sich offen für die Welt und ihre Wunder. Ausgangspunkt ist Italien, das sich politisch aus vielen Stadtstaaten wie Genua, Pisa, Venedig und Florenz zusammensetzt. Die Regierungen dieser eigenständigen Republiken liegen in den Händen weniger mächtiger Familiendynastien, Kaufleute und Bankiers, die miteinander konkurrieren wie die Medici und die Borgia. Dies ist der Antrieb für Entdeckungen, Erfindungen, Fortschritt und nicht zuletzt Motor einer regen Kunstproduktion. Das Wissen wird von Reisenden – Gelehrten und Händlern – in ganz Europa verbreitet. Die Ausgrabungsfunde griechischer und römischer Skulpturen, Münzen und Wandmalereien führen zu einer neuen Bildsprache in der Kunst. Das schöpferische Individuum, der Künstler, ist der Transporteur der neuen Weltanschauung. Seine Werke orientieren sich am Schönheitsideal der Antike und basieren auf mathematischwissenschaftlichen Prinzipien. Neu entdeckt und europaweit aufgegriffen werden heidnische Götter, Mythen und antike Ornamentformen wie die Groteske.
Der erste Renaissance-Raum ist dem Thema "Götter, Mythen und Grotesken" gewidmet. 1488 traten bei Ausgrabungen in den „Grotten“ der Domus Aurea in Rom antike Wandmalereien zutage, die in der Renaissance zu einem neuen ornamentalen Stil ,genannt „Grotesk“; inspirierten, bei dem Motive aus der Tier- und Pflanzenwelt und Fabelwesen zu einem ornamentalen Gebilde verknüpft werden. Solche Grotesken wurden in ganz Europa aufgegriffen und sind auch auf dem ausgestellten Brüssler Grotesken-Teppich mit der Göttin Minerva von 1525/50 zu sehen. Die Vielfalt der antiken Götter zeigt sich dem Besucher in den freistehenden Bronzeskulpturen der wichtigsten griechischen und römischen Gottheiten wie Apoll, Venus, Jupiter, Okeanos, Neptun und Saturn. Ein glanzvoller Höhepunkt der italienischen Majolika ist die in leuchtenden Farben erstrahlende Prunkschüssel aus dem Hofservice der Markgräfin Isabella d‘ Este (1474-
1539) von Mantua, der bedeutendsten Kunstmäzenin der Renaissance. Die malerische Darstellung der Mannalese des Alten Testaments folgt Raphaels berühmtem Fresko in den Loggien des Vatikan in Rom. Majolika-Service schmücken fürstliche Tafeln, repräsentative Schaubuffets und werden als Kostbarkeiten in Kunstkammern gesammelt. Neben Wappen, Bildnissen und Grotesken sind auch mythologische, historische und biblische Szenen dargestellt, die als moralisch-tugendhafte Vorbilder dienen und zugleich das humanistische Wissen der Renaissance widerspiegeln.
Der nächste Raum steht unter dem Motto „Die Neue Welt “. Es ist die Zeit der Entdeckungsreisen durch wagemutige Seefahrer wie Christoph Kolumbus, der 1492 den unbekannten Kontinent Amerika und damit die neue Welt entdeckt, die der Florentiner Gelehrte Amerigo Vespucci (1452-15129) 1502/03 als "Mundus Novus" bezeichnet. Es entsteht ein neues Weltbild, und mit der Erschließung neuer Handelswege und -güter verändern sich die politischen und territorialen Machtverhältnisse im „alten“ Europa. Das Thema Wissenschaft an den Höfen wird veranschaulicht durch wissenschaftliche Instrumente wie das Astrolabium für Kaiser Rudolf II. in Prag (Messgerät zur Winkelmessung am Himmel und Bestimmung des Breitengrades in der europäischen Schiffahrt.) In der Gruppe Kunstfertigkeit an den Höfen bezeugen virtuose Reticelli-Gläser wie eine filigran gearbeitete Kanne die hohe Kunstfertigkeit der venezianischen Glasproduktion. Das Hauptwerk dieses Raumes ist der um 1600 entstandene Neapolitanische Kabinettschrank aus Ebenholz und Elfenbein, ein Lehrbeispiel manieristischer Fassadenarchitektur.
An eine Weltkugel erinnert die Architektur des nächsten Raumes mit dem Titel „Die Kunstkammer – Gesammelte Wunder“. Wie ein überdimensionaler Setzkasten türmen sich die typischen Elemente einer Kunstkammer: von Menschenhand geschaffene Pretiosen, so genannte Artificialia, wie ein Kokosnusspokal, ein prunkvolles Besteck mit Rochenhaut-Etui, ein Gefäß aus Perlmutt und Koralle, ein Nautiluspokal, ein vergoldeter Trinkspielautomat mit der Figur des auf einer Schildkröte reitenden Neptun. Hinzu gesellen sich weitere faszinierende Wunder der Natur, Naturalia, wie ein aufgehängtes Krokodil, ein Kugelfisch und ein Sägefischblatt. Unter den Raritäten aus fremden Ländern, den Exotica, sind Perlen, Straußeneier, Seychellennüsse und Krokodile besonders begehrt. Ihr Import führt zu neuen Impulsen in Europa. Wissenschaftliche Instrumente, Scientifica wie Zeitmesser, Kalendarien, Landkarten und Globen, sowie wertvolle Medaillen und Münzen vervollständigen das Spektrum. Kunstkammern – Vorläufer der heutigen Museen – entstehen in Europa im 16. Jahrhundert. Könige, Fürsten und wohlhabende Bürger richten sich eigene Räume mit Kabinettschränken ein, in denen sie Schätze aus allen Erdteilen aufbewahren und als Statussymbole und Zeugnis ihrer Wissbegierde zur Schau stellen. Zusammengetragen von Kunstagenten, Händlern und Seefahrern, bearbeitet von den talentiertesten Künstlern, spiegeln die damals wie heute seltenen Kostbarkeiten das enzyklopädische Universalwissen der Renaissance. Der Wunsch, das Wesen der Dinge zu ergründen, ist der Antrieb für die Ordnung und Klassifizierung des göttlichen Universums.
Ein kleines Kabinett mit hochkarätigen Elfenbein- und Buchsbaumstatuetten ist dem Thema "Das Menschenbild " gewidmet. Eines der Hauptwerke der hochkarätigen Sammlung deutscher und niederländischer Kleinplastik des 16. und frühen 17. Jahrhunderts ist der berühmte, um 1520 aus Buchsbaumholz geschnitzte Gliedermann des Monogrammisten I. P. (um 1490 –nach 1530), der auf der Basis von Dürers Proportionsstudien konstruiert ist und das Schönheitsideal des vollkommenen Abbilds des Menschen en miniature verkörpert. Ein weiteres Hauptwerk ist die barocke Elfenbeingruppe von Adam und Eva des Leonhard Kern (1588-1662). Die unterschiedlichen Menschenbilder aus Renaissance und Barock sind unter dem Aspekt der menschlichen Schönheit, aber auch im Bewusstsein der Vergänglichkeit derselben vereint. Im Fokus steht das „Memento Mori“ –das Überdenken der eigenen Existenz, der schnelle Ablauf der begrenzten Lebenszeit des Menschen und der Gedanke, dass der Beginn des Lebens schon der des Sterbens ist.
Das abschließende Kapitel „Blühende Städte“ ist der nordalpinen Kunst gewidmet. Ein Hauptwerk ist die Schedelsche Weltchronik, quasi eine Enzyklopädie der deutschen Städte aus dem Jahre 1493. Sie enthält farbige Holzschnitte mit den Ansichten deutscher Städte und dokumentiert den damaligen Wissensstand und das Bewusstsein für die Entwicklung des Städtewesens. Gerätschaften kaufmännischen Handels wie Waage, Maß, Zahl und Gewicht sowie silbervergoldete Trinkgeschirre und Schaupokale aus Nürnberg ergänzen das Spektrum. Die Antikenrezeption zeigt sich nicht nur in den Karyatidenfiguren des Holzpaneels aus im Schleswig-Holsteinischen Rendsburg geschaffenen Zimmer. Die Rezeption der italienischen Frührenaissance offenbart sich in der ausgestellten deutschen und niederländischen Plakettenkunst
und der von italienischer Majolika beeinflussten deutschen Keramik. Typisch deutsch ist hingegen das Handwerk der Goldschmiedekunst.
Die Neueinrichtung der Sammlungen Antike und Renaissance wird ermöglicht durch Mittel der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg sowie die großzügige Unterstützung unserer Saalpaten: Campe’sche Historische Kunststiftung, Georg W. Claussen, Justus Brinckmann Gesellschaft, ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.
Foto: Ausstellungsansichten Renaissance Kunstkammer: Foto: Maria Thrun
Antike: Dr. Frank Hildebrandt: T. 040-428134-570, frank.hildebrandt@mkg-hamburg.de
Renaissance: Dr. des. Christine Kitzlinger: T. 040-428134-590, christine.kitzlinger@mkg-hamburg.de
Öffnungszeiten: Di –So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr
Tuesday, 21. August 2012
Bereits zum zehnten Mal in Folge verleiht die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) in diesem Jahr den Prix Expo für besonders gelungene Ausstellungen zu naturwissenschaftlichen Themen. Zum zweiten Mal wird neben einer herausragenden Einzelausstellung auch das langfristige Engagement eines Museums ausgezeichnet. Am 24. August 2012 werden Christian Meyer, Direktor des Naturhistorischen Museums Basel, und sein Team den Prix Expo 2012 für die Ausstellung «Knochenarbeit. Wenn Skelette erzählen» entgegen nehmen. Arnaud Maeder, Direktor des Musée d’histoire von La Chaux-de-Fonds, wird den Prix Expo für das langfristige Engagement erhalten. Beide Preise sind mit 10'000 Franken dotiert.
Preisverleihung mit anschliessendem Apéro und Besuch der Ausstellung «Knochenarbeit. Wenn Skelette erzählen».
Datum: Freitag, 24. August 2012
Ort: Aula des Naturhistorischen Museums Basel
Beginn: 18.30 Uhr
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